Skip to main content

Schmutzwasserhebeanlage

Wasser unterliegt wie alle Flüssigkeiten und festen Stoffe den Gesetzen der Schwerkraft. Es fließt abwärts und das ist auch gut so. Dadurch lassen sich alle technischen Verfahren, die im Zusammenhang mit Wasser und Abwasser stehen, darauf ausrichten, die Flüssigkeiten über Gefälle zu leiten. Das funktioniert wunderbar, solange sich das ab- oder zuzuführende Wasser auf einem Niveau befindet, das höher als der Bereich ist, in dem es benötigt wird oder aus dem es entsorgt werden soll.



Diese Problematik führte schon recht früh in der Menschheitsgeschichte zur Entwicklung von Wasserhebeanlagen genauso wie, allerdings etwas später, Schmutzwasserhebeanlagen.





Was sind Wasserhebeanlagen?

Heute würde der Begriff „Pumpe“ als Beschreibung genügen. Vor ein paar Tausend Jahren gab es weder elektrischen Strom noch Materialien, mit denen Pumpen betrieben oder hergestellt werden konnten. Damals machte die Bezeichnung Wasserhebeanlage durchaus Sinn. Wer zum ersten Mal die Idee hatte, Wasser mittels einer mechanischen Vorrichtung auf ein höheres Niveau zu bringen, bleibt im Dunkel der Geschichte. Es wird vermutet, das die ersten Anlagen dieser Art im alten Ägypten zur Anwendung kamen. In der einfachsten Form war dies ein Holzspeichenrad mit daran befestigten Gefäßen, das so im Wasser, in der Regel einem Fluss, befestigt wurde, das es sich in der Strömung selbstständig drehte. Das in den Gefäßen aufgenommene Wasser floss nach der Überwindung des Scheitelpunktes wieder heraus und musste nur noch aufgefangen werden. So konnten je nach Durchmesser des Rades unterschiedliche Höhen bewältigt werden. Sehr effektiv war das Ganze jedoch nicht und es besaß zudem den entscheidenden Nachteil, das immer ein Fluss daran beteiligt sein musste, der eine entsprechende Strömung besaß. Bei Niedrigwasser infolge einer Dürre genauso wie bei Überflutungen war das Wasserrad in der Regel außer Betrieb.

 

Rund 5000 Jahre Menschheitsgeschichte liegen seit diesen Anfängen zwischen damals und heute, wobei die verschiedenen Hochkulturen ihren jeweils eigenen Beitrag dazu leisteten, das für den Menschen wichtigste Element zu bewegen. Dabei zeigt sich gerade in der modernen Gesellschaft, das der Behandlung von Abwasser mindestens genauso viel Gewicht beizumessen ist, wie der von sauberem Wasser. Wie gefährlich unbehandelte und nicht fachgerecht abgeleitete Abwässer sind, zeigt sich noch heute in vielen Entwicklungsländern. Im durchaus finsteren Mittelalter Europas dezimierten fehlende Kanalisationen in den Städten die Bevölkerung durch Infektionskrankheiten weit mehr als etwa Kriege.

 

Schmutzwasserhebeanlagen, tiefstes Niveau

Die Überschrift ist keineswegs diskriminierend gedacht. Es beschreibt eine Problematik, die sich vor allem in Gebäuden findet, deren Kellergeschoss unterhalb der normalen Kanalisationstiefe liegt und in denen Schmutzwasser anfällt. Üblicherweise werden die Hausanschlüsse von Kanalisationen etwa auf einer Tiefe von 80 cm unter Bodenniveau verlegt. Das sorgt einerseits für Frostsicherheit und ist andrerseits ausreichend, um die Abwässer eines Gebäudes aufzunehmen und dem Abwassersammler zuzuführen. Diese Tiefe von 80 cm lässt sich auch nicht einfach verändern, denn das gesamte Abwasser-Kanalisationsnetz einer Stadt oder einer Gemeinde ist so ausgelegt, dass das Schmutzwasser über ein leichtes Gefälle dem jeweiligen Klärwerk zufließt. Je nach Lage werden auch in den Kanalisationssystemen von Kommunen Hebewerke eingesetzt, um große Mengen Abwässer auf ein höheres Niveau zu befördern, doch diese technisch aufwendigen Lösungen sind der Geografie geschuldet und nicht der Architektur.

Bauherren müssen sich an die Vorgaben der regionalen Bauämter halten, die die Verlegetiefe der Kanalisationsröhren bestimmen, um den Abfluss des gesamt anfallenden Schmutzwassers zu gewährleisten.

Wenn nun jedoch in einem Kellergeschoss, dessen Boden etwa 250 cm unter Oberflächenniveau liegt, Wasser verwendet und damit Abwasser produziert wird, kann dies nicht abgeführt werden, es sei denn, es würde freiwillig nach oben fließen. Hier kommen unter anderem privat oder gewerblich genutzte Schmutzwasserhebeanlagen ins Spiel, die beispielsweise die Abwässer von Waschmaschinen, Spülbecken, Duschen oder auch Toiletten auf das Niveau der Kanalisationsrohre anheben.

 

Wie funktioniert eine Schmutzwasserhebeanlage?

Das Grundprinzip ist relativ einfach. Das Schmutzwasser sammelt sich in einem Behälter und wird von dort mittels einer Pumpe in den höher gelegenen Kanalisationsablauf befördert. Der Sammelbehälter selbst befindet sich hierbei natürlich unterhalb der Abwasser produzierenden Einrichtungen. Hierfür stehen verschiedene Lösungen zur Verfügung. In der einfachsten Form ist der Sammelbehälter ein Kasten mit einem Zulauf und einer integrierten Tauchpumpe, die das Schmutzwasser wegpumpt. Das ein- und ausschalten der Tauchpumpe erfolgt über einen Schwimmerschalter. Diese Lösung ist bei kleineren Mengen und unproblematischen Abwässern einfach zu realisieren. Aber schon bei der Abführung von Schmutzwasser aus Toiletten ist dies nicht mehr möglich.

 

Darum unterteilen sich Schmutzwasserhebeanlagen für Haushalte oder Gewerbebetriebe mit geringerem Abwasseraufkommen in zwei Bauformen. Einmal Hebeanlagen für Schmutzwasser mit einer normalen Verunreinigung, bei der die im Wasser befindlichen Schmutzpartikel maximal nur so groß sind, das diese von der Tauchpumpe aufgenommen werden können. Zum anderen Hebeanlagen, die so dimensioniert sind, dass größere Schmutzwasserbestandteile über eine Druckleitung mittels einer entsprechenden Pumpe in die Kanalisation befördert werden. Je nach Bauart können diese Anlagen eine zusätzliche Fäkalienzerkleinerung beinhalten.

 

Wie werden Schmutzwasserhebeanlagen verbaut?

Bautechnisch gesehen ist der wichtigste Punkt bei der Installation einer Schmutzwasserhebeanlage die Anbringung unterhalb der Abwasserführenden Leitungen, um auch hier die Schwerkraft nutzen zu können. In einem Keller könnte dies ein eigens zu diesem Zweck eingerichteter Sumpf sein. Dabei handelt es sich nicht um ein Biotop, sondern um einen kleinen Schacht im Kellerboden, in dem die Schmutzwasserhebeanlage installiert wird. Hier laufen alle Abwasserleitungen zusammen, deren Niveau sich unterhalb der Kanalisation befindet. Nicht immer ist der Sumpf die beste Lösung. Die Anlage kann auch in einer Wand verbaut werden. Bei im Keller installierten Badezimmern könnte die Lösung so aussehen, dass die Hebeanlage neben dem Wasserkasten der Toilette eingebaut wird und so unsichtbar hinter den Fliesen einer Vorwandinstallation verschwindet. Ein dritter Lösungsweg ist die Realisierung einer Schmutzwasserhebeanlage außerhalb des Gebäudes, etwa im Garten des Hauses, idealerweise in direkter Ausrichtung zum Kanalisationsanschluss. Dies erfordert jedoch eine Ausschachtung in eine Tiefe, die unterhalb des Kellerbodenniveaus liegt.




Normen und Vorschriften

Natürlich bestehen auch für Schmutzwasserhebeanlagen entsprechende Vorschriften in Bezug auf die Verbauung und die Bauart. Auskunft darüber gibt die Norm DIN EN 12050-1 bis 3. Hierin sind drei verschiedene Typen von Hebeanlagen definiert.

 

  • 1. Hebeanlagen für Abwässer mit Fäkalien aus Urinalanlagen und Spülaborten
  • 2. Hebeanlagen für leicht verschmutztes, fäkalienfreies Wasser
  • 3. Hebeanlagen für mit Fäkalien verunreinigtem Wasser in begrenzter Verwendung

 

Hinter diesen drei Bezeichnungen stehen genaue Beschreibungen zur Verwendung wie auch zur technischen Ausstattung. Während die Nummer 3 nur in Verbindung mit einer weiteren WC-Anlage, die sich oberhalb der sogenannten Rückstauebene oder dem Kanalrohrniveau befindet, verwendet werden darf, muss die Nummer 1 so dimensioniert sein, das auch größere Mengen an Schwarzwasser problemlos abgeführt werden. Die Begriffe Schwarzwasser oder Grauwasser beschreiben in der Sanitärtechnik den Verunreinigungsgrad, wobei sich Schwarzwasser auf fäkalienhaltige Abwässer bezieht. Grauwasser hingegen beinhaltet die Abwässer etwa aus Handwaschbecken, Waschmaschinen oder auch das Regenwasser aus der Dachrinne.

 

Der Gesetzgeber unterscheidet hier aus gutem Grund zwischen Schmutzwasserhebeanlagen für Schwarz- oder Grauwasser, denn gerade mit Fäkalien belastete Abwässer stellen eine erhebliche gesundheitliche Gefahr dar und dies keineswegs nur für den unmittelbaren Bereich etwa einer in einem Einfamilienhaus verbauten Anlage. Geraten beispielsweise Kolibakterien aufgrund unsachgemäßer oder falsch dimensionierter Installation in den Frischwasserkreislauf, können sich diese über den jeweiligen Hausanschluss weiter verbreiten.

 

Welche Schmutzwasserhebeanlage für welchen Bedarf?

Vor der Realisierung einer Schmutzwasserhebeanlage sollte darüber nachgedacht werden, welche Art von Abwasser befördert wird und in welchem Umfang.

 

Die häufigste Nutzungsart einer Schmutzwasserhebeanlage ergibt sich bei der Nutzung von privaten Kellerräumen als Wohnraum. Hier unterscheidet sich der Typ der jeweils sinnvollsten Schmutzwasserhebeanlage nach dem, ob bestehende Kellerräume umgebaut werden oder ein Haus mit Unterkellerung neu gebaut wird. In beiden Fällen sind die im Keller befindlichen sanitären Anlagen in der Regel nicht die einzigen Abwasserproduzenten. Dann bietet sich eine Schmutzwasserhebeanlage der Norm DIN EN 12050-3 an. Bei Anlagen dieser Bauform können an das System ein WC, eine Dusche, ein Handwaschbecken und ein Bidet angeschlossen werden. Völlig ausreichend, um etwa eine im Keller befindliche Einliegerwohnung mit einem Badezimmer auszustatten. Während bei nachträglichen Installationen Schmutzwasserhebeanlagen, die in das Badezimmer integriert werden, die wohl beste Lösung darstellen, kann bei einem Neubau die Anlage in einem außen liegenden Schacht untergebracht werden, um so wertvollen Wohnraum zu sparen.

Bei gewerblich genutzten Kellerräumen mit entsprechend höherem Schmutzwasseranfall, zum Beispiel eine Bar oder Sozialräume, ist es notwendig, die Schmutzwasserhebeanlage gemäß DIN EN 12050-1 auszuführen.

 

Schmutzwasserhebeanlagen für sogenanntes Grauwasser (DIN EN 12050-2), also Abwässer ohne Fäkalien, lassen sich am einfachsten realisieren, wobei immer beachtet werden muss, dass auch solche Abwässer grundsätzlich in die kommunale Kanalisation abzuführen sind.

 

Was kostet eine Schmutzwasserhebeanlage?

Die Preise wie auch die Qualität in Material und Ausführung variieren bei Schmutzwasserhebeanlagen enorm. Dabei ist der Kaufpreis oft nicht der entscheidende Punkt. Schmutzwasserhebeanlagen benötigen je nach Art des Einbaus einen erheblichen Arbeitsaufwand.

Einfache Anlagen zur Abführung von Grauwasser kann ein erfahrener Heimwerker durchaus selbst installieren und damit die Beauftragung eines Sanitärinstallateurs vermeiden. Bei Schwarzwasser, Fäkalienbelastetes Abwasser aus dem WC, lohnt sich der Handwerker vom Fach jedoch durchaus.

Einmal aufgrund der Garantieleistungen und zum anderen zur Vermeidung von Ärger mit der Haushaftpflichtversicherung. Sollte durch unsachgemäße Installation einer Schmutzwasserhebeanlage eine dritte Person zu Schaden kommen, verlangt die jeweilige Versicherungsgesellschaft als Schadensregulierer vom Hauseigentümer den Nachweis der sach- und fachgerechten Installation. Nicht umsonst zählen Wasser- und Elektroinstallationen an Gebäuden zu den Gewerken, die nur durch autorisierte Betriebe vorgenommen werden dürfen. Somit sollte auf den Service geachtet werden, der bei den Produkten inklusive sein kann. Des Weiteren sollte beim Kauf auf die technischen Daten, Ersatzteile und etwaiges Zubehör geachtet werden.

 

Schmutzwasserhebeanlagen für Grauwasser sind schon für unter 100 Euro erhältlich. Diese Anlagen eignen sich beispielsweise für im Keller verbaute Duschen und sind in der Regel als Überflur-Geräte gestaltet. Sie werden direkt an die sanitäre Anlage angeschlossen und sind sichtbar.

 

Schwarzwasseranlagen, wie für das oben angeführte Beispiel einer im Keller befindlichen Einliegerwohnung, beginnen bei rund 250 Euro und aufwendige Hebeanlagen, die in einem Außenschacht untergebracht sind, können durchaus mehrere Tausend Euro Investitionsbedarf bedeuten.